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Christian Stegbauer :
Geschmackssache. Eine kleine Soziologie des Geniessens".
Merus Verlag 2006.
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Türkisch kochen. Gerichte und ihre Geschichte.
Verlag die Werkstatt. Edition d i a. Göttingen
2003.
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Eberhard Seidel-Pielen: Aufgespiesst.
Wie der Döner über die Deutschen kam. Rotbuch
Verlag 1996.
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Wenn ein Soziologenkollege ein Büchlein mit dem Titel
"Geschmackssache" schreibt, dann ist das wohl Pflichtlektüre. Die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen nach der Soziogenese von Geschmacksempfindungen und –urteilen sind für das Geschmackssache-Webjournal sozusagen Dauerbrot.
Schliesslich geht es hier immer wieder darum, das verbreitete Vorurteil des Volksmundes zu bekämpfen, Geschmack sei etwas individuell"Beliebiges".
Die vielen Beispiele, die Stegbauer für die soziokulturelle Konstruktion von Geschmack und auch"Genuss" durch menschliche Interaktion und Kommunikation anführt, und welche gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Formen diese Geschmacks/Genusskonstrukte dann annehmen, sind meist treffend und amüsant zu lesen. Seine mikrosoziologischen Gewährsleute Georg Simmel und Erwin Goffmann liefern das theoretische Rüstzeug dazu.
Da schadet es dann auch kaum, dass gelegentlich merkwürdige Axiome des Geniessens in des Autors Konstruktionen einfliessen, wie etwa die Behauptung, genussvolles Essen und Trinken sei nur in Gemeinschaft und unter Redefluss möglich. Will er damit sprachlosen Formen des Essens (etwa in klösterlichen Gemeinschaften, an Königshöfen oder bei afrikanischen Ethnien) und die Möglichkeit des stillen und einsamen Essgenusses in Abrede stellen?
Teil 2 des Buches mit den gelungenen (Re)Konstruktionen des Weingeschmacks/genusses via Degustationsritual und Weinkritik sind ebenfalls lesenswert. Das Eingeständnis des Autors, dass man sich durch die Wahl des falschen Weinglases als Weinkenner disqualifiziert , wirft dann aber doch die Frage nach der vielleicht etwas bornierten Normativität seiner eigenen Genussformen auf. Wie gesagt
: "Alles nur Geschmackssache". (HF)
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ist schon ein Reflex geworden: Wenn
eine Geschmackssache oder Food-Reportage
ansteht, wird nachgeschaut, ob ein einschlägiges
Werk zur Thematik in der Reihe "Gerichte
und ihre Geschichte" existiert. Diese
Serie liefert fast immer einen guten
Einstieg in die Esskultur einer Region
oder eines Landes, da der Inhalt nicht
nur einen umfangreichen Rezeptteil,
sondern auch soziokulturelles und historisches
Kontextwissen zum Essen und Kochen umfasst.
Im besten Fall sind - wie auch
bei diesem Buch mit dem deutsch-türkischen
Paar Yalkut-Breddermann - Nahrungsethnologen
am Werke gewesen, die Fachwissen und
Küchenerfahrung"aus dem Felde"
verbinden. So ist es dann auch nur folgerichtig,
wenn die vorgestellten Speisen
nicht Food-gestylt bebildert werden,
sondern leider mit immer zu wenigen dokumentarischen
Fotos abgedruckt werden.
„Türkisch kochen" fasziniert durch
die fast 40 Seiten des Einführungskapitels,
in dem der kulinarische Reichtum des
Landes, die Essgewohnheiten in einem
anatolischen Dorf und in den grossen
Städten, das Ritual der Raki-Tafel und
die Essensregeln des Islams vorgestellt
werden. Danach wird hoffentlich niemand
mehr den Raki-Schnaps als französisch
inspirierten Pastis-Apéro degustieren,
sondern die entsprechenden Mezes dazu
servieren. Die Tipps zum Einkaufen
und Kochen, eine Liste der wichtigsten
Gewürze sowie ein zweisprachiges Rezept-
und Stichwortregister sind für Geschmacksjäger
vor Ort oder in der Heimat auf der Suche
nach der perfekten Kebapvariante
oder dem vollaromatischen Süssgetränk
aus Knabenkrautwurzel (Sahlep) unverzichtbar.
(HF)
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Wer wie der Autor dieser Zeilen seinem
Döner Kebap-Trauma nachspüren will,
kommt an diesem Klassiker der Dönerologie nicht vorbei. Obwohl
Mitte der 70er Jahre in Duftweite der
ersten Kreuzberger Dönerbuden lebend
und schon damals neuem Ethnofood sowie
den türkischen Nachbarn keineswegs abgeneigt
, waren die Geschmackserfahrungen mit
dem damaligen Fast-food-Senkrechtstarter
alles andere als erfreulich. Mit wenigen
Ausnahmen wurden abschreckend fette
und unappetitliche Hackklopsschnitze
in Knoblauchsaucen-schwangerem Schwammbrot
angeboten. Anblick, Geruch und Gerüchte
um die Gammelfleischtürme haben mich
auch später an neuen Lebensmittelpunkten
in Frankreich und der Schweiz, über
die die Kebap-Welle ebenfalls geschwappt
war, nicht dazu gebracht, zum Kebapisten
zu werden.
In"Aufgespiesst" kann man am Beispiel
Kebap die Soziologie des Kulturtransfers
von Speisen mit allen Vor- und Nachteilen
studieren. Einerseits die Eröffnung
neuer kulinarischer Horizonte und interkulturelle
Begegnungsmöglichkeit beim Verzehr anderer Speisen,
andererseits aber auch die Verarmung
kultureller Kebap-Grillfleischvarianten
zur Berliner Currywurst
am Spiess im Lokalkontext. Es geht auch
hier um die fatale Anpassung von ursprünglichen
Zubereitungsweisen, Essformen und Geschmacksnuancen
an den Massengeschmack einer Fremdgesellschaft,
wie man ihn oft bei derartigen Migrationsbewegungen
von Speisen (etwa der Pizza oder dem
süss-sauren chinesischen Schweinefleisch)
beobachten kann. Wirtschaftskrisen und
Migrantenunternehmungsgeist als treibende
Invasionskräfte (bis in den deutschen
Osten), Qualitätsverlust durch Industrialisierung
und der oft auch rassistisch getönte
Widerstand von Minderheiten, die ihre
Heimatküchen gegen eine Überfremdung
verteidigen wollen, lassen sich anhand
dieses Döner-Büchleins gut demonstrieren.
Wer derart instruiert in Istanbul
in kleinen
Kebapstuben unter freundlichen Menschen
sitzt und Holzkohlen-gegrillte Auberginen-Kebaps
verzehrt, weiss was er hinter sich gelassen
hat. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Eine überarbeitete Neuauflage
des Buches wäre interessant, um zu sehen,
wie es um den Döner heute steht. (HF)
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